[MM] Was Achterbahnen und eure Geschichten gemeinsam haben

Momentan lese ich nebenbei die Ratgeber aus dem diesjährigen NaNo-Storybundle und bin jetzt bei dem Buch „Brewing Fine Fiction“ angekommen, was eine Zusammenfassung von Essays zum Schreiben von verschiedenen Autoren ist.

Ein Essay hat mich da bisschen vom Hocker gerissen, nicht, weil die Idee dahinter so neu war oder weil man es sich nicht eigentlich denken kann, sondern weil ich bis jetzt nie richtig darüber nachgedacht habe, es aber ein tolles Tool ist, um sich sein Pacing zu visualisieren und sich zu überlegen, was man mit seinem Roman erreichen will.

Es geht um den Essay von Maya Kaathryn Bohnhoff „Plotting Through Writer’s Block“.

Generell erklärt sie, wie sie ihre Projekte plottet, wenn ihr die Ideen ausgehen oder sie einfach gegen eine Wand läuft, der gesamte Essay ist voller Tipps, aber was ich davon am meisten mitgenommen habe, ist folgendes:

„[…] It takes the relationship between a good screenplay and a good rollercoaster to the point of diagramming a story as if it were, in fact, a long track of steel structured in such a way as to make readers gasp, groan, scream and laugh hysterically on command […].
The rollercoaster metaphor illustrates something the AFI text calls „key moments of change“. These, ladies and gentlemen, are the point in the coaster’s tracks that your tummy tightens up in anticipation of and does flip-flops over when you hit them at 70mph. In a story, these moments are calculated to have a similar effect. They change perceptions of what’s happening in the story by introducing new elements, new characters, new information and new viewpoints (Upside down! Eeeee!) as you move along the story „track“. The intent is to keep you interested, to ramp up the tension and release it in novel ways, to make you gasp, whistle, laugh and even cry – and above all, to make you feel that your ride token was well-invested.“

Sie vergleicht ihre Geschichte mit einer Achterbahn und entscheidet je nach Thematik, was für eine Art Achterbahn das Buch sein soll. Soll es eine Achterbahn sein, die direkt mit einem Knall einsetzt, dann zwischendurch ein bisschen ruhiger wird, um zum Ende hin noch einmal den Fahrer durchzuschütteln? Oder soll es eine Achterbahn sein, die langsam beginnt, immer mehr Erwartung aufbaut, um dann in einem großen Knall zu enden? Es gibt auch Achterbahnen, die haben zwischendrin immer mal wieder kleine Huckel, die den Fahrer durchschütteln und ihn aufmerksam halten, um dann am Ende mit einem riesigen Looping abzuschließen oder einem großen Fall.
Als Beispiel nennt sie neben den üblichen, auch Achterbahnen, wie Scream (Drop Tower), die man in Storyformat übersetzen kann.

Generell finde ich den Vergleich sehr schön, weil man ihn gut für sein Pacing (=Pacing beschreibt die Geschwindigkeit innerhalb des Romanaufbaus) benutzen kann. Was will man mit seiner Geschichte erreichen? Soll der Leser erst am Ende wieder zu Atem kommen? Soll es Pausen für ihn geben? Man kann sich das schön visualisieren und sich dabei dann auch klar machen, das bestimmte „Ruhephasen“ einfach sein müssen. Generell wird hier auch nicht „Looping/Drop“=Aktion gesetzt, sondern auch die Informationen, die in Dialogen auftauchen, können ein Looping/Drop sein. Zum Beispiel wenn ein Charakter ein Geheimnis erfährt, was für ihn die gesamte Geschichte verändert oder einen Teil seiner Persönlichkeit, würde dies auch als Looping/Drop in die Achterbahn eingebaut werden.

Manche Autoren sind hierbei starke Verfechter von ständiger Aktion, während andere dem Leser auch gerne mal Ruhephasen einbauen. Ich denke, dass ist auch etwas, was man von Geschichte zu Geschichte entscheiden muss. In einem 70k-Thriller kann man permanente Aktion wahrscheinlich leichter durchziehen, als in einem 250k-High Fantasy Roman, wo der Leser zwischendurch einfach die Ruhepausen braucht, um auch die Welt zu verstehen, in die er da herein geworfen wurde.

Jedenfalls finde ich diese Form der Visualisierung und der Herangehensweise sehr spannend, weil man dies sowohl vor dem Schreiben, als auch beim Bearbeiten nutzen kann, um zu gucken, warum es im Pacing vielleicht harkt oder ob man vielleicht zu viele Loopings hintereinander hat, die eine kurze Pause dazwischen brauchen. Als kleines Tool, was man nutzen kann, finde ich es ziemlich cool und die Übertragung zwischen Achterbahn und Story passt ganz gut.

Wie findet ihr diese Vorgehensweise?
Könntet ihr euch vorstellen, eure Geschichte mit einer Achterbahn zu vergleichen?
Habt ihr eine bestimmte Achterbahnform, die ihr schon mehrfach verwendet habt?

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.